Sektsteuer: Fachwissen für Mainzer Sektkenner

Der Mainzer möchte gern wissen, wo er am besten hingehen kann und welche Locations aktuell angesagt sind. Er hinterfragt und interessiert sich für Rezepte, Weine, Sekt und kulinarische Erlebnisse. All diese Informationen sind auf unseren Seiten zu finden und werden immer wieder durch neue Erkenntnisse und Entdeckungen ergänzt. Wer sich hier auf dem aktuellen Stand hält, weiß immer ein bisschen mehr – egal, ob Mainzer Einwohner oder Besucher der Stadt. Damit Sie auch jetzt wieder etwas mehr erfahren, haben wir das Thema der Sektsteuer in den Fokus gerückt. Kennen Sie diese? Wissen Sie, dass Sie mit jeder Flasche Sekt abhängig vom Volumenalkohol Geld an den Staat abführen? Und vor allem – wissen Sie, warum das so ist?

Sektsteuer: Kaiser Wilhelm II. war’s

Kaiser Wilhelm II. ist schuld daran, dass die heutige Steuerpolitik immer noch die Sektsteuer nutzt, um Geld in die Staatskassen zu spülen. Klar, die Sektsteuer ist ein gutes Mittel zur Geldeinnahme, muss doch hier niemand etwas für diese Einnahmen tun. Mit Ausnahme der Bürger natürlich, die damit ganz selbstverständlich den Staat unterstützen sollen. Nur leider verhält es sich mit der Sektsteuer wie mit dem Soli-Zuschlag: Von dem eigentlichen Grund, warum diese Steuer eingeführt wurde, ist nichts mehr übrig. Auf das Geld will Vater Staat aber nicht verzichten und belässt es bei der Steuer und den Einnahmen daraus.

Kaiser Wilhelm II. richtete die Sektsteuer ein, weil er seine Kriegsflotte im Jahr 1902 aufrüsten lassen wollte. Dies war in Ermangelung der nötigen Gelder aber nicht ohne Weiteres möglich. Daher wurde die Sektsteuer erhoben, denn schließlich sollten die Bürger des Landes doch etwas für ihre eigene Sicherheit tun – und wenn es nur über die Abgabe von Geld war. 50 Pfennige wurden „erbeten“ und diese kamen auf den stolzen Flaschenpreis von 2,50 Mark noch drauf. Endlich, im Jahr 1933, hatte der Staat genug davon. Die Wirtschaftskrise sollte überwunden werden, was mit den hohen Konsumpreisen nicht möglich war. Die Sektsteuer hatten zwar den Ersten Weltkrieg und Kaiser Wilhelm II. überdauert, wurde nun aber endlich abgeschafft.

Und sie ist wieder da, die Sektsteuer!

Als 1939 entschieden wurde, dass die Kriegsflotte einer enormen Aufrüstung bedurfte, kam den Verantwortlichen die Sektsteuer wieder in den Sinn. Schwupps, war sie wieder erhoben und betrug nun eine ganze Reichsmark. Klar, dass den Bürgern der Genuss verging und dass die Umsätze stark zurückgingen. Zum Vergleich: Im Jahr 1936 konnten rund 14 Millionen Flaschen Sekt verkauft werden. 1949 aber, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, ging dieser Umsatz um die Hälfte zurück. Dies bekam auch die Sektkellerei Kupferberg zu spüren, deren Chef Christian Adalbert Kupferberg forderte, die Sektsteuer von drei auf eine Mark zu senken. Gleichzeitig ging er aber von einer Verdoppelung des Umsatzes aus. Darauf war seine Kellerei auch angewiesen, konnte sie doch nur noch ein Viertel des Umsatzes aus der Vorkriegszeit erbringen.

Die Sektsteuer ist den Bürgern leider bis heute erhalten geblieben, was angesichts der Einnahme von 449 Millionen Euro im Jahr 2013 aus Sicht der Politiker durchaus verständlich ist. Jeder, der eine Flasche Sekt mit 750 ml Inhalt kauft, führt automatisch 38 Cent als Sektsteuer an den Staat ab (Volumenalkohol unter sechs Prozent). 1,02 Euro sind es bei gleicher Flaschengröße für einen Sekt, der über sechs Prozent Volumenalkohol besitzt.


Bildnachweis: © morguefile.com – pedrojperez



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Hans-Jürgen Schwarzer (Link Google+) leitet die Online-Agentur schwarzer.de software + internet gmbh. Als Unternehmer und Verleger in Personalunion wie auch als leidenschaftlicher Blogger gehört er zu den Hauptautoren von startup-report.de. Innerhalb seiner breiten Palette an Themen liegen dem Mainzer Lokalpatriot dabei vermeintlich „schräge“ Ideen oder technische Novitäten besonders am Herzen.

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