Rotwein Gesund: Ein Glas Rotwein pro Tag: Ja oder nein?

Ein Glas Rotwein am Abend schadet nicht. Im Gegenteil: Rotwein soll sogar gesund für die Gesundheit sein. So lautet eine weit verbreitete Ansicht. Doch stimmt das oder handelt es sich um einen Alkoholmythos? Wir klären auf.

Rotwein gesund: Wein als Medikament

Nicht erst seit gestern glauben vielen Menschen, dass Rotwein gesund sei. Schon vor tausenden von Jahren wurde Rotwein ein positiver Effekt auf die Gesundheit zugeschrieben. Als Medikament bzw. Heilmittel, wurde er z.B. bereits 400 v. Chr. von keinem geringeren als Hippokrates eingesetzt. Und der musste es doch schließlich wissen. Schließlich war Hippokrates der berühmteste Arzt des gesamten Altertums. Er schrieb dem Wein desinfizierende und beruhigende Wirkung zu. Zudem waren er und viele seiner Vertreter schon damals der Meinung, dass sich Rotwein wunderbar eignet, um Schmerzen zu lindern.

Dies änderte sich auch im alten Rom nicht. Im Gegenteil: die Römer setzten Rotwein wohl noch gezielter gegen Krankheiten und gesundheitliche Gebrechen ein, z.B. gegen Magen-Darm-Erkrankungen. Die gesunde Wirkung, die man dem Wein zusprach, machte man sich auch noch an anderer Stelle zu Nutze: denn häufig nutzten die Römer in Rotwein getränkte Umschläge für offene, blutende Wunden.

Rotwein: Gesund für den Menschen?

Unabhängig von diesen kulturellen Gewohnheiten und Umgangsweisen mit dieser Art von Alkohol: die These, dass Rotwein gesund sei, ist bis heute in der Gesellschaft weit verbreitet. Alles nur Gerüchte und ein Mythos? Oder ist wirklich etwas dran an den beschriebenen Effekten auf den menschlichen Körper? Sicher ist: Viele wissenschaftliche Studien haben laut Gesundheits-Portalen bereits nachgewiesen, dass Rotwein tatsächlich gesund sein kann. Voraussetzung: Er wird in geringen Mengen konsumiert.

Die These, dass Rotwein gesund sei, ist bis heute in der Gesellschaft weit verbreitet. (#01)

Die These, dass Rotwein gesund sei, ist bis heute in der Gesellschaft weit verbreitet. (#01)

Die Studien konnten belegen, dass ein moderater Genuss prophylaktische, also vorbeugende Wirkungen haben kann. Vor allem was mögliche Herz- und Hirninfarkte betrifft. Grund: der Wein neutralisiert freie Radikale, dies schützt vor Gefäßkrankheiten. Dadurch wiederum wird verhindert, dass Arterien allzu schnell verkalken. Der Alkohol verlangsamt bzw. verhindert teils sogar die Arterienverkalkung. Und damit eine der Hauptursachen für die Entstehung eines Herzinfarkts. Hier kann man ihm also tatsächlich eine gesunde Wirkung attestieren.

Für vorteilhafte Wirkung verantwortlich: Phenol

Für diesen positiven Effekt auf den menschlichen Körper machen die Wissenschaftler in erster Linie einen Inhaltsstoff verantwortlich: Phenol. Phenol ist nicht nur ein Produkt des Stoffwechsels u.a. von Kohlenhydraten und Fetten. Es ist auch ein sekundärer Pflanzenstoff, von dem ein Teil im Saft und im Fruchtfleisch der Weinbeere enthalten ist. Phenol bestimmt zu weiten Teilen den Geruch, Geschmack und die Farbe des späteren Weins.

Das Phenol besitzt darüber hinaus auch einen antibakteriellen und antioxidativen Einfluss. Sprich: es ist gesund bzw. für jene weiter oben beschriebenen prophylaktischen Wirkungen, verantwortlich. Also für die positiven Effekte beim Verlauf von Herz- und Kreislauferkrankungen. Übrigens: dieser Inhaltsstoff ist auch ausschlaggebend für die Unterschiede zwischen Rot- und Weißwein.

Rotwein: Nur in Maßen gesund bzw. vorbeugend

Gesund bzw. vorbeugend wirksam ist der Wein aber nur dann, wenn er in Maßen getrunken wird. (#02)

Gesund bzw. vorbeugend wirksam ist der Wein aber nur dann, wenn er in Maßen getrunken wird. (#02)

Gesund bzw. vorbeugend wirksam ist der Wein aber nur dann, wenn er in Maßen getrunken wird. Doch was bedeutet eigentlich die Formulierung „in Maßen“? Die Welt-Gesundheitsorganisation WHO empfiehlt u.a. über ihren Newsletter, wöchentlich an ein oder zwei Tagen komplett auf Alkohol zu verzichten. Also auch auf das so beliebte Glas Rotwein am Abend. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (ein Zusammenschluss von Verbänden, die in der Suchthilfe und -prävention tätig sind) gibt an, dass Männer ca. 20 bis 24 Gramm reinen Alkohols täglich bedenkenlos zu sich nehmen können. Das entspricht rund einem halben Liter Bier oder 0,25 Liter Wein, also dem sprichwörtlichen, obligatorischen „Glas“ Wein.

Frauen hingegen sollten laut Empfehlung der Verbände noch weniger konsumieren. Die Hauptstelle für Suchtfragen empfiehlt die Hälfte von dem, was Männer am Tag höchstens trinken sollten (bei Frauen also: 0,25 Liter Bier, 0,125 Liter Wein). Immer vorausgesetzt, dass es sich bei der betroffenen Person um jemanden handelt, der gesund ist. Jeder der mehr trinkt, tut seiner Gesundheit keinen Gefallen. Der gesundheitsfördernde Effekt kann ins Gegenteil verkehrt werden, die Folge können u.a. schwere Leberschäden sein.

Studie widerlegt positiven Effekt von Alkohol

Die über die Jahre durchgeführten Untersuchungen und erhobenen Studien mit dem Ergebnis des gesundheitsfördernden Einflusses gab all jenen Recht, die immer schon an das Glas Rotwein glaubten. Und seine positiven Folgen für die Gesundheit. Da lag schnell der Verdacht nahe, dass man mit gemäßigtem Alkoholkonsum in Verbindung mit gesunder Ernährung und reichlich Sport, die eigene Lebenserwartung deutlich erhöhen könne.

Ernüchterung aber machte sich bei all jenen Anfang 2015 breit. Für Aufsehen sorgten damals die Erkenntnisse einer Gruppe von Wissenschaftlern der University College London (UCL). Auch viele deutsche Medien berichteten damals über die Studie, u.a. Spiegel Online am 11.02.2015. Die Wissenschaftler hatten über einen Zeitraum von zehn Jahren die Daten von mehr als 18.000 Engländern im fortgeschrittenen Alter, ausgewertet. Die Daten gaben Aufschluss über das Trinkverhalten der Befragten. Die Kernaussage der Studie: Die vielfach beschriebene positive Wirkung des Alkohols, den man über all die Jahre angeblich nachweisen konnte, sei lediglich das Ergebnis von fehlerhaften Statistiken gewesen.

Wein gesund: Forscher bezweifeln vorbeugende Wirkung

Jeder der rund 18 000 an der Studie Teilnehmenden, gab Auskunft über sein Trinkverhalten – über einen Zeitraum von zehn Jahren. So erhielten die Wissenschaftler u.a. Informationen darüber, was in welchen Mengen wie häufig getrunken wurde. Von den Probanden starben mehr als 4000 während dieser zehn Jahre. Unter den Teilnehmern befanden sich sowohl Alkoholiker und als auch Menschen mit gemäßigtem Trinkverhalten. Aber auch Nichtalkoholiker waren unter den Probanden. Personen also, die meist gesund leben, komplett auf das Nervengift verzichten und stattdessen häufig auf eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung achten.

Das Ergebnis, als die Forscher die verstorbenen Teilnehmer mit dem Trinkverhalten direkt abglichen, war erschreckend: Das Trinkverhalten hatte keinerlei Auswirkungen auf die Todesfälle. Unabhängig davon, ob es sich beim Verstorbenen um einen moderaten oder einen Nichttrinker handelte. Die moderaten Trinker hatten demnach also kein längeres Leben.

Das Trinkverhalten hatte keinerlei Auswirkungen auf die Todesfälle. (#03)

Das Trinkverhalten hatte keinerlei Auswirkungen auf die Todesfälle. (#03)

Nur völliger Verzicht auf Alkohol ist gesund

Dieser Meinung waren letztlich auch die Wissenschaftler. Alkohol würde nicht das Leben verlängern, zudem hätten statistische Fehler in früheren Studien dafür gesorgt, dass sich die Mär vom gesundheitsfördernden Alkohol durchsetzen und verbreiten konnte. Einer der Fehler: man achtete in früheren Studien bei den Nichttrinkern bisher nie auf den Grund, wieso diese Personengruppe auf alkoholische Getränke wie Bier, Rotwein etc., verzichtete. Deshalb habe man fälschlicherweise viele trockene Alkoholiker in die Gruppe der Nichttrinker gepackt. Diese hatten aufgrund ihres jahrelangen Konsums sowie der Folgen, eine wesentlich kürzere Lebenserwartung.

Alles in allem lebt wohl tatsächlich am gesündesten, wer auf Alkohol verzichtet und auf eine gesunde Ernährung sowie ausreichend Bewegung achtet. Allerdings muss ja auch nicht gleich an sieben Tagen die Woche auf das Glas Bordeaux oder Chardonnay, verzichtet werden.


Bildnachweis: © Shutterstock-Titelbild: Foxys Forest Manufacture, #01: ImYanis, #02: Africa Studio, #03: Markus Mainka

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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