Lemberger: Wein aus Württemberg bei ALDI, Netto & Co.?
Apr21

Lemberger: Wein aus Württemberg bei ALDI, Netto & Co.?

„Wer einen Rotwein sucht, der die Eigenschaften eines frischen Moselweines besitzt, muss zum Lemberger greifen.“ Diese Charakterisierung des „Taschenbuch der Rebsorten“ ist durchaus zutreffend und bildet eine immerhin kleine Erfolgsgeschichte dieser Rebsorte – die auch Blaufränkisch oder Limberger genannt wird – in Deutschland ab. Seit den 80er Jahren hat sich die Rebfläche der aus Österreich stammenden Sorte auf insgesamt rund 1700 ha gut vervierfacht, vor allen Dingen in Württemberg, wo rund 95 % der Bestände liegen. Ob der Herkunft der Sorte etwas mit dem früheren Lemberg, heute Lwiw, früher in Galizien gelegen, heute in der Westukraine, zu tun hat, ist unklar. Dafür sprechen auch die zahlreichen Synonyme der Sorte – der Name könnte ebenso auch auf Wein-Handelsströme zurückgehen. „Das Weinlexikon“ bietet nur allgemein die „Donauländer“ in dieser Frage an. Die spät reifende Sorte bringt gewöhnlich fruchtige, kraftvolle und je nach Vinifikation farb- und tanninreiche Weine hervor, die „oft zu den besten der meist guten, in besseren Jahren mitunter ausgezeichneten württembergischen Rotweine zählen“, so „das Weinlexikon“. Wie auch bei der Sorte Syrah ist der Umgang mit der schwarzbeerigen und tanninreichen Sorte nicht unproblematisch. Dem frischen und leichten Charakter des Lembergers widerspricht ein wenig die Ernsthaftigkeit und Tiefe von reichlich Gerbstoffen. Auch die berühmten gerbstoffreichen Weine der Hermitage gelingen nur in sehr guten Jahren und brauchen lange Reife. In Württemberg sollte deshalb unterhalb der Schwelle von Spitzenjahrgängen unbedingt eine Entrappung erfolgen. Die Geeignetheit für eine lange Lagerdauer wird dem Lemberger allerdings attestiert. Die geringe Anfälligkeit gegen Fäulnis erlaubt eine recht späte Lese, noch nach der Lese des Spätburgunders. Dem deutschen Reichsgründer Fürst Bismarck wird eine Vorliebe für den Lemberger nachgesagt, man weiss nur nicht ganz genau, ob diese Liebe auf die Lage am Neusiedler See oder allgemein auf die Rebsorte zurückgeführt wird. In Deutschland sind die Verhältnisse dagegen geklärt: Die Württemberger lieben die rote Rebsorte, noch vor dem Spätburgunder (1300 ha), aber nach dem Trollinger (aktuelle Rebfläche 2300 ha). Ein Vergleichstest der Weinzeitschrift FEINSCHMECKER im Herbst 2014 zwischen Österreichischen und Württemberger Weinen fiel zugunsten der ausländischen Konkurrenz aus. Bei höchst unterschiedlichsten Flaschenpreisen erscheint dieses Ergebnis höchst bemerkenswert. Möglicherweise spielt die längere Erfahrung der Österreicher mit der Rebsorte eine maßgebliche Rolle – Einfluss haben sicher auch Boden und Klima, die im Vergleich zu Württemberg ziemliche Unterschiede bilden. Leider scheint es in Württemberg auch Winzer zu geben, bei denen das Hauptanliegen beim Lemberger-Anbau in der besseren Farbausbeute bestehen könnte. Auch die häufige Verschnittpraxis – Lemberger und Trollinger – scheinen diesem Anliegen öfters geschuldet zu sein. Mit derartigen Praktiken kommt man in Württemberg allerdings nicht aus der Image-Falle weder des Lembergers – ernsthafter Charakter oder frisch – oder des Trollingers – als gefälligem Kneipwein...

Mehr
Merlot 2009
Mrz20

Merlot 2009

Der Staat Washington, in der nordwestlichen Ecke der USA gelegen, hat sich inzwischen zum zweitgrößten Gebiet für die Weinerzeugung gemausert. Dabei gelten die Washingtoner Weine als den eleganter und den europäischen Tropfen ähnlicher, was vor allem auf Klima und Böden zurückgeführt wird. Hugh Johnson weiss über die Weine des pazifischen Nordwestens: Kalifornien bekommt die ganze Aufmerksamkeit und macht 90 % des Umsatzes. Die Staaten weiter im Norden dagegen beziehen ihren Reiz teilweise aus der Andersartigkeit, daraus, dass sie immer noch als Geheimtipp gelten.“ Tatsächlich befinden sie Washingtoner Weinterrassen auf der geographischen Breite etwa des Bordelais, in zwar in einem Klima, das häufiges Nachpflanzen von Reben notwendig macht, weil ein Teil der Weinstöcke den empfindlichen Frösten zum Opfer fällt. Dafür bieten die die Sommer beste Gewähr für vollreifes Traubengut. Mehr als Kalifornien ist Washington vom Weinbau der Franzosen beeinflusst. Große Güter wurden von Burgunder Winzern (Drouhin) erstellt. Es verwundert nicht, dass die hauptsächlich angebauten Reben französische sind: Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah, Pinot Noir, Chardonnay und Viognier. Dass Johnson noch von „Geheimtipp“ schreibt, mag ein Indiz dafür sein, wie statisch der Weingeschmack doch ist, wie schwer sich Verbrauchsgewohnheiten ändern mögen, denn im Staat Washington ist eine Weinbautradition schon seit 1825 bekannt, noch vor der Staatsgründung 1889. Wie genau schmecken die Weine aus Washington? Mehr zufällig wurde „Two Wines Merlot“ von der Columbia Crest Winery aufgefunden. Der Wein aus dem Jahr 2009 wurde aus 93 % Merlot und 7 % Cabernet Franc gekeltert und weist 13,6 % Volumenalkohol auf, und entspricht damit den Erfolgsdaten aus dem Bordelais. Tatsächlich vermutet man einen vorzüglichen Bordeaux in der Flasche: Warmes Kirschrot mit purpurnem Glanz. Im Duft deutlich an Brombeeren erinnernd, mit zarten Eichenholznoten. Am Gaumen zuerst fruchtig mit saftigen Beerenaromen und weicher Fülle, im weiteren Verlauf werden elegante Röstaromen und Anklänge von dunkler Schokolade spürbar. Zum Abgang bleibt nur noch zu sagen: “Tres longue en bouche.“ Dieser Wein ist in Deutschland für 8,90 € zu haben, trotz seiner etwas aufwändigeren Herstellung. Die Trauben werden entrappt und der Most zweimal täglich über die Maische gepumpt, um Tannine zu entziehen. Nach vollendeter Vergärung erfolgt eine zwölfmonatige Reife in – vermutlich nicht neuen – Fässern aus französischer und amerikanischer Eiche. Hugh Johnson Urteil über die Columbia Crest – Washingtons größten Weinbaubetrieb – mag seine Bestätigung finden: „Unmengen guter, erschwinglicher Weine.“ Der Name des Labels „Two Wines“ (zwei Reben) soll an die früher übliche Spaliererziehung der Reben am Columbia River erinnern. Bildnachweis: © morguefile.com –...

Mehr