Laudun – L’Ardoise: ein besonderer Cotes du Rhone Villages

Folgt man Orange, der „Capitale des Cotes du Rhone“ in südlicher Richtung, so gelangt man nach der Passage der Überflutungsteiche der Rhone praktisch wie von selbst in das Weindörfchen Laudun im Departement Gard. In Laudun werden aus den typischen Rebsorten der Rhone Rot-, Rosé- und Weißweine gezogen, die aber alle ihren eigenen Charakter aufweisen.

Der Hintergrund für die Ausweisung der Appellation „Cotes du Rhone Villages Laudun“ hat möglicherweise mit der Berühmtheit der Laudun-Weine im 17. Jahrhundert zu tun, als die Bezeichnung „Cote du Rhone Gardois“ erlaubt war. Der besondere Charakter seiner Weine ist eine Frage des Terroirs, der in Laudun auf ca. 400 ha steinigem, kieshaltigem Boden wächst.

Johann Wolfgang von Goethe und das Schloß in Laudun

Der Berühmtheit des Laudun ist vermutlich auch zu danken, dass dieser Wein Eingang in die gehobene Weinliteratur gefunden hat. Kein geringerer als der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe bezieht sich in einem Vers aus seinem „Faust“ auf eine Weinbegebenheit in Laudun.

Diese Textstelle gehört zu einer der erstaunlichsten der deutschen Weinliteratur, weil die in Rede stehende Passage Aufschluss über Goethes Studien der Weinfachliteratur gibt: „Doch – werdet ihr dem Kundigen glauben – Verfault ist längst das Holz der Dauben – Der Weinstein schuf dem Wein ein Faß.

Diese Episode, die Goethe hier poetisiert hat, wird von Olivier de Serres berichtet. Es geht um ein altes Schloß in Laudun, an der südlichen Rhone, veröffentlicht in „Theatre agriculture“, 1629. Der französische Agrarschriftsteller hatte dort ein altes Fass entdeckt, dessen Holz bereits verfault war, dessen Inneres allerdings vollständig mit Weinsteinkristallen überzogen war, und so noch Wein konserviert hatte.

Hugh Johnson: pfeffrige Rotweine aus Laudon

Auch Weinpapst Hugh Johnson weiß den Laudun zu loben: „Führender Ort des Cotes du Rhone Villages. Exzellente, schneidige Weißweine, direkte, pfeffrige, früh trinkreife Rotweine, schicke Roses. Weine mit unmittelbar ansprechender Aromatik.“ Unter den besten Erzeugern führt Johnson auch die Winzergenossenschaft in Laudun an, die sich vor einigen Jahren mit Winzern aus Chusclan zusammengetan hat.

Vignerons des 4 Chemins 2012

Leider war im deutschen Weinhandel keiner der aus der Riege der besten Erzeuger zu finden. Aber der Rotwein von den „Vignerons des 4 Chemins“, Jahrgang 2012, Rebsorten Syrah und Grenache Noir, mit 12 Monaten Barrique-Lager, war auch nicht von schlechten Eltern. Mit 13,5 Volumenprozent war der Wein auch nicht zu schwer.

Wie die Rotweine aus dem nahegelegenen Chateauneuf-du-Pape oder Gigondas, gefiel der Wein farblich durch sein tiefes Dunkelrubinrot und durch sein intensives Aroma von Kirschen mit Vanille, schwarzem Pfeffer und Gewürznelken. Am Gaumen beeindruckten reife Tannine und Aromen von Kirschen und Pflaumen.

Nicht von jedem Wein kann man sagen, dass die Qualifizierung als „Cotes du Rhone Villages“ mit der Nennung des Ortsnamens durch gehobene Qualität gerechtfertigt ist, vom Laudun allerdings sehr wohl.


Bildnachweis: © morguefile.com – missyredboots



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Hans-Jürgen Schwarzer (Link Google+) leitet die Online-Agentur schwarzer.de software + internet gmbh. Als Unternehmer und Verleger in Personalunion wie auch als leidenschaftlicher Blogger gehört er zu den Hauptautoren von startup-report.de. Innerhalb seiner breiten Palette an Themen liegen dem Mainzer Lokalpatriot dabei vermeintlich „schräge“ Ideen oder technische Novitäten besonders am Herzen.

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