Amerikanische Weine: Rotwein aus Kalifornien

Mit 407.000 ha und regelmäßig über 18 Millionen hl Gesamtertrag sind die USA einer der weltweit bedeutendsten Weinerzeuger. Noch immer wachsen die Rebflächen in den USA – in den letzten 30 Jahren um 25 % – und stellen damit die Vitalität der in mehr als 25 Bundesstaaten vertretenen Weinwirtschaft unter Beweis.

Sogar Geschichte kann der US-Weinbau aufweisen. Bis ins Jahr 1647 ist Weinbau im Staat New York nachweisbar. Zwar stammten die ersten Weinstöcke aus Europa, zunehmend wandten sich die amerikanischen Weinbauern aber auch den wild vorgefundenen – autochthonen – Rebsorten der Vitis Labrusca zu. Ihnen verdanken wir die wirksame Hilfe gegen die Reblausplage, wenn auch das Schadinsekt durch den Import eben derselben Reben nach Deutschland ebenfalls eine amerikanische Ursache hatte.

Im Gefolge der großen Siedlertrecks nach Westen bewegte sich auch die Weinkultur, bis zuletzt nach Kalifornien, das in einem Eroberungskrieg 1848 dem mexikanischen Staat entrissen und den USA angegliedert wurde. So finden wir heute eine amerikanische Weinkultur vor, die eine derart bunte Mischung darstellt, wie sie aus der Herkunft der amerikanischen Einwanderer hervor gegangen ist: Deutsche pflanzen ihre Rieslinge, Franzosen ihre Pinot Noir, Spanier ihre Garnacha, die Italiener ihren Primitivo (in den USA Zinfandel genannt) und Russen die Rkatsiteli.

Gelegentliches Schneechaos in den nordöstlichen Staaten der USA, auch kurze Frostperioden, sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Staat New York mit seiner Hauptstadt Albany um den 42. Breitengrad situiert ist, und damit auf der gleichen geographischen Breite wie etwa die Insel Korsika. Die sommerliche Hitze, aber die frostigen Temperaturspitzen werden zudem durch die nahegelegenen großen Seen gemildert.

Weinpapst Hugh Johnson (Der kleine Johnson) weiss dazu: „Im Staat New York geht es mit der Weinqualität, der Rebfläche (inzwischen mehr als 39.000 ha) und der Zahl der Kellereien in erstaunlichem Tempo voran. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Erzeugerbetriebe um 108 auf jetzt 342 gestiegen.“ Als besonders wichtigen Anbaubereich nennt Johnson die „Finger Lakes“, ein Gebiet in dem fünf kleinere, längliche Seen zwischen sanften Bergtälern liegen. Wie Johnson weiss, gilt der Riesling als besondere Spezialität. Man kann den amerikanischen Winzern regelrecht dankbar sein, dass sie die „Riesling-Fahne“ aufrecht erhalten, denn die USA sind nach Deutschland der zweitgrößte Riesling-Produzent, noch vor Frankreich und Österreich, wo man größere Vorkommen vermuten sollte. Freilich pflanzen die US-Amerikaner Riesling nicht aus Dankbarkeit oder Treue zu den deutschen Winzern, sondern im knallharten Eigeninteresse, denn beim Riesling handelt es sich um eine der wenigen Qualitätssorten von Weltrang.

Zwar tendiert der amerikanische Weingeschmack auch beim Riesling in Richtung „Liebfrauenmilch“, also nach „halbtrocken“ bis „lieblich“, aber es gibt auch das andere, dass einzelne US-Winzer mangels eines englischen Wortes als „knochentrocken“ benennen, und dabei befinden sich durchaus erstaunliche Weine, mit dem beim Riesling besonders vorkommenden Pfirsich- und Zitrosaromen. Darunter Weine des inzwischen verstorbenen Dr. Konstantin Frank (Vinifera Wine Cellars), die Johnson als “einen der besten Rieslinge der USA“ bewertet.

Diese erfreulichen Weine sind zwischen 15 und 18 US$ zu haben, nur nicht in Deutschland, oder fast nicht. Ein einziger Riesling aus den Finger Lakes war zu ermitteln, die übrigen stammten durchweg auch dem Staat Washington, am entgegengesetzten Ende der USA. Dieser Riesling aus den Red Newt Cellars aus dem Jahrgang 2012 ist für 17,50 € zu haben und ausweislich des Etiketts, handelt es sich um einen trockenen Wein (Einkaufsquelle: vinexus) mit seinen typischen geschmacklichen Attributen.


Bildnachweis: © morguefile.com – pippalou

Über Hans-Jürgen Schwarzer

Hans-Jürgen Schwarzer (Link Google+) leitet die Online-Agentur schwarzer.de software + internet gmbh. Als Unternehmer und Verleger in Personalunion wie auch als leidenschaftlicher Blogger gehört er zu den Hauptautoren von startup-report.de. Innerhalb seiner breiten Palette an Themen liegen dem Mainzer Lokalpatriot dabei vermeintlich „schräge“ Ideen oder technische Novitäten besonders am Herzen.

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