Sektsteuer: Fachwissen für Mainzer Sektkenner
Jun08

Sektsteuer: Fachwissen für Mainzer Sektkenner

Der Mainzer möchte gern wissen, wo er am besten hingehen kann und welche Locations aktuell angesagt sind. Er hinterfragt und interessiert sich für Rezepte, Weine, Sekt und kulinarische Erlebnisse. All diese Informationen sind auf unseren Seiten zu finden und werden immer wieder durch neue Erkenntnisse und Entdeckungen ergänzt. Wer sich hier auf dem aktuellen Stand hält, weiß immer ein bisschen mehr – egal, ob Mainzer Einwohner oder Besucher der Stadt. Damit Sie auch jetzt wieder etwas mehr erfahren, haben wir das Thema der Sektsteuer in den Fokus gerückt. Kennen Sie diese? Wissen Sie, dass Sie mit jeder Flasche Sekt abhängig vom Volumenalkohol Geld an den Staat abführen? Und vor allem – wissen Sie, warum das so ist? Sektsteuer: Kaiser Wilhelm II. war’s Kaiser Wilhelm II. ist schuld daran, dass die heutige Steuerpolitik immer noch die Sektsteuer nutzt, um Geld in die Staatskassen zu spülen. Klar, die Sektsteuer ist ein gutes Mittel zur Geldeinnahme, muss doch hier niemand etwas für diese Einnahmen tun. Mit Ausnahme der Bürger natürlich, die damit ganz selbstverständlich den Staat unterstützen sollen. Nur leider verhält es sich mit der Sektsteuer wie mit dem Soli-Zuschlag: Von dem eigentlichen Grund, warum diese Steuer eingeführt wurde, ist nichts mehr übrig. Auf das Geld will Vater Staat aber nicht verzichten und belässt es bei der Steuer und den Einnahmen daraus. Kaiser Wilhelm II. richtete die Sektsteuer ein, weil er seine Kriegsflotte im Jahr 1902 aufrüsten lassen wollte. Dies war in Ermangelung der nötigen Gelder aber nicht ohne Weiteres möglich. Daher wurde die Sektsteuer erhoben, denn schließlich sollten die Bürger des Landes doch etwas für ihre eigene Sicherheit tun – und wenn es nur über die Abgabe von Geld war. 50 Pfennige wurden „erbeten“ und diese kamen auf den stolzen Flaschenpreis von 2,50 Mark noch drauf. Endlich, im Jahr 1933, hatte der Staat genug davon. Die Wirtschaftskrise sollte überwunden werden, was mit den hohen Konsumpreisen nicht möglich war. Die Sektsteuer hatten zwar den Ersten Weltkrieg und Kaiser Wilhelm II. überdauert, wurde nun aber endlich abgeschafft. Und sie ist wieder da, die Sektsteuer! Als 1939 entschieden wurde, dass die Kriegsflotte einer enormen Aufrüstung bedurfte, kam den Verantwortlichen die Sektsteuer wieder in den Sinn. Schwupps, war sie wieder erhoben und betrug nun eine ganze Reichsmark. Klar, dass den Bürgern der Genuss verging und dass die Umsätze stark zurückgingen. Zum Vergleich: Im Jahr 1936 konnten rund 14 Millionen Flaschen Sekt verkauft werden. 1949 aber, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, ging dieser Umsatz um die Hälfte zurück. Dies bekam auch die Sektkellerei Kupferberg zu spüren, deren Chef Christian Adalbert Kupferberg forderte, die Sektsteuer von drei auf eine Mark zu senken. Gleichzeitig ging er aber...

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Laudun – L’Ardoise: ein besonderer Cotes du Rhone Villages
Jun01

Laudun – L’Ardoise: ein besonderer Cotes du Rhone Villages

Folgt man Orange, der „Capitale des Cotes du Rhone“ in südlicher Richtung, so gelangt man nach der Passage der Überflutungsteiche der Rhone praktisch wie von selbst in das Weindörfchen Laudun im Departement Gard. In Laudun werden aus den typischen Rebsorten der Rhone Rot-, Rosé- und Weißweine gezogen, die aber alle ihren eigenen Charakter aufweisen. Der Hintergrund für die Ausweisung der Appellation „Cotes du Rhone Villages Laudun“ hat möglicherweise mit der Berühmtheit der Laudun-Weine im 17. Jahrhundert zu tun, als die Bezeichnung „Cote du Rhone Gardois“ erlaubt war. Der besondere Charakter seiner Weine ist eine Frage des Terroirs, der in Laudun auf ca. 400 ha steinigem, kieshaltigem Boden wächst. Johann Wolfgang von Goethe und das Schloß in Laudun Der Berühmtheit des Laudun ist vermutlich auch zu danken, dass dieser Wein Eingang in die gehobene Weinliteratur gefunden hat. Kein geringerer als der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe bezieht sich in einem Vers aus seinem „Faust“ auf eine Weinbegebenheit in Laudun. Diese Textstelle gehört zu einer der erstaunlichsten der deutschen Weinliteratur, weil die in Rede stehende Passage Aufschluss über Goethes Studien der Weinfachliteratur gibt: „Doch – werdet ihr dem Kundigen glauben – Verfault ist längst das Holz der Dauben – Der Weinstein schuf dem Wein ein Faß.“ Diese Episode, die Goethe hier poetisiert hat, wird von Olivier de Serres berichtet. Es geht um ein altes Schloß in Laudun, an der südlichen Rhone, veröffentlicht in „Theatre agriculture“, 1629. Der französische Agrarschriftsteller hatte dort ein altes Fass entdeckt, dessen Holz bereits verfault war, dessen Inneres allerdings vollständig mit Weinsteinkristallen überzogen war, und so noch Wein konserviert hatte. Hugh Johnson: pfeffrige Rotweine aus Laudon Auch Weinpapst Hugh Johnson weiß den Laudun zu loben: „Führender Ort des Cotes du Rhone Villages. Exzellente, schneidige Weißweine, direkte, pfeffrige, früh trinkreife Rotweine, schicke Roses. Weine mit unmittelbar ansprechender Aromatik.“ Unter den besten Erzeugern führt Johnson auch die Winzergenossenschaft in Laudun an, die sich vor einigen Jahren mit Winzern aus Chusclan zusammengetan hat. Vignerons des 4 Chemins 2012 Leider war im deutschen Weinhandel keiner der aus der Riege der besten Erzeuger zu finden. Aber der Rotwein von den „Vignerons des 4 Chemins“, Jahrgang 2012, Rebsorten Syrah und Grenache Noir, mit 12 Monaten Barrique-Lager, war auch nicht von schlechten Eltern. Mit 13,5 Volumenprozent war der Wein auch nicht zu schwer. Wie die Rotweine aus dem nahegelegenen Chateauneuf-du-Pape oder Gigondas, gefiel der Wein farblich durch sein tiefes Dunkelrubinrot und durch sein intensives Aroma von Kirschen mit Vanille, schwarzem Pfeffer und Gewürznelken. Am Gaumen beeindruckten reife Tannine und Aromen von Kirschen und Pflaumen. Nicht von jedem Wein kann man sagen, dass die Qualifizierung als „Cotes du Rhone Villages“ mit der Nennung des Ortsnamens...

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